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Teilprojekt 4.3: Plautinische Metrik

Projektleiter: Prof. Dr. M. Deufert
Institut für Klassische Philologie und Komparatistik, Universität Leipzig


Die plautinische Metrik (wie grundsätzlich die Metrik der altlateinischen Bühnendichtung) stellt jeden, der sie in ihren Einzelheiten präzise erfassen möchte, vor zahllose ungelöste Rätsel. Zwar wurden, insbesondere durch die Forschungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, wichtige Gesätzmäßigkeiten (Bentley-Luchs’sches Gesetz; Ritschl’sches Gesetz; Hermann-Lachmann’sches Gesetz; Meyersche Stellungsregel etc.) festgestellt sowie gewisse Freiheiten und Abweichungen von der Regelprosodie und –metrik (sogenanntes Iambenkürzungsgesetz; Skutsch’sche Apokope; Leosche Synalöphe; prosodische, metrische und logische Hiate; loci Jacobsohniani etc.) erkannt und versgeschichtlich erklärt, aber bis heute ist nachwievor umstritten, wie streng der Dichter die feststellbaren Gesetzmäßigkeiten eingehalten hat und wie enge Grenzen den erkennbaren Freiheiten zu setzen sind. Hinzu kommt die nachwievor umstrittene Frage, ob die signifikant große Koninzidenz von ‚Iktus’ und ‚Akzent’ (neutraler formuliert: die signifikant häufige Bildung der element longa durch akzentuierte Silben) vom Dichter angestrebt wurde oder ob sie lediglich eine zufällige Begleiterscheinung anderer rhythmischer Gesetzmäßigkeiten und Vorlieben des Plautus ist. Angesichts dieser offenen Fragen kann die enorme Diskrepanz nicht verwundern, welche zwischen den verschiedenen Plautusausgaben allein aus dem unterschiedlichen Bild, das die Herausgeber von der plautinischen Metrik haben, besteht.

Eine computergestützte, möglichst unvoreingenommene Erfassung der Metrik sämtlicher plautinischer Sprech- und Rezitationsverse (ca. 10.000 Verse; die Cantica sollen wegen ihrer eigenen Probleme vorerst ausgeklammert bleiben) verspricht entscheidend zur Klärung dieser Fragen beizutragen. Für jeden einzelnen Vers soll neben dem Überlieferungszustand (metrisch relevante Varianten bzw. Konjekturen) die metrisch-prosodische Struktur erfaßt werden, so daß am Ende zuverlässige statistische Aussagen über die zentralen Probleme des plautinischen Verses getroffen werden können.

Für das gesamte Textcorpus muß statistisch unter anderem festgehalten werden, – hinter welchen Elementen des Verses Wortende gesucht bzw. hinter welchen es vermieden wird und welche prosodische Beschaffenheit die Wörter bzw. Silben vor und nach den Wortenden aufweisen;
– wo im Wort sich Doppelkürzen, die ein aufgelöstes Element bilden, befinden bzw. wie sie sich auf zwei Wörter verteilen;
– welche Ausergewöhnlichkeiten und Unterschiede bei der Bildung der elementa longa und der elementa ancipitia auftreten;
– an welchen Stellen im Vers prosodische Auffälligkeiten sich häufen bzw. gemieden werden;
– welche prosodische Beschaffenheit insgesamt diejenigen Wörter haben, in denen bzw. zwischen prosodische und metrische Besonderheiten auftreten;
– wie die Wörter einer bestimmten prosodischen Struktur auf die Elemente des Verses verteilt sind.

Zunächst ist der an der ASV, Leipzig entwickelte POS-Tagger so zu modifzieren, daß mit seiner Hilfe die metrische Analyse der Plautusverse festgehalten und dann statistisch verwertet werden kann. Danach hat die metrische Analyse der Plautusverse zu erfolgen; dabei kann als Textgrundlage auf die elektronischen Plautustexte zurückgegriffen werden, welche jedoch kritisch zu prüfen sind: Insgesamt sollte die Textgrundlage so handschriftennah wie irgend konstituiert sein (gute Grundlage: die editio minor von Götz-Schoell). Nach der Erfassung des Datenmaterials erfolgt in einem letzten Schritt die statistische Auswertung. Sie verspricht u.a. Klärung bei der Analyse metrisch umstrittener Verse, dürfte zu neuen metrischen Gesetzen und Regeln bzw. zur Präsisierung oder Einschränkung bekannter Gesetze führen und wird aller Wahrscheinlichkeit nach eine nicht geringe Zahl von modernen Konjekturen als mit den Gepflogenheiten plautinischer Metrik unvereinbar entlarven.

Ein vergleichbares Projekt hat es in dieser Form m. W. bislang nicht gegeben. Neben den Ergebnissen, die das Projekt für die plautinische Metrik und Sprache verspricht, dürfte das einmal erstellte Computerprogramm als ‚Prototyp&bsquo; in nur leicht modifizierbarer Form auch zur Analyse anderer Metra der antiken Dichtung eingesetzt werden können: Der Forschung wird also nicht allein neues Wissen zur Verfügung gestellt, sondern auch computergestütztes Analyseverfahren von allgemeinem Nutzen.


Universität Leipzig
BMBF
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